Wesentliche Ergebnisse unserer Untersuchungen im Nordkaukasus sind veröffentlicht worden.
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Flechten und Moose

von Volker Otte

Резюме - 1. Einleitung - 2.1 Allgemeine Bewertung - 2.2 Besonders beachtenswerte Arten - 2.3 Arten der Roten Bücher bzw. Roten Listen - 3. Zusammenfassung - 4. Literatur

Резюме (zum Seitenanfang)

Исследоваемая территория имеет огромное значение для охраны биоразнообразия земного шара из-за присутствия богатой лихено- и бриофлоры европейского типа, в том числе множества видов из­чезавщих из значительных пространств своих европейских ареалов из-за загрязнения воздуха и лесо­пользования. Много видов охранены по закону как виды Красных книг СССР, России или от­дель­ных своей субъектов. Как мера охраны в первую очередь необходима защита девственных ле­сов, особенно в влажных долинах, от антропогенного воздействия, в частности лесорубства.



1. Einleitung (zum Seitenanfang)

Die folgende Darstellung beruht auf Ergebnissen der Teilnahme des Autors an den Biotopkartierungen der Jahre 1997, 1998 und 1999. Die Untersuchungen erfolgten schwerpunktmäßig im Umfeld des Berges Bolschoi Tchatsch, wie insbesondere auf dem Tchatschmassiv, um die Poljana Knjažeskaja, Poljana Firsowa, im Tale nördlich der Kolokol'nja, am Hang des Tchatschmassives zum Tale des Bolschoi Sachrai, um den Malenki Tchatsch, in den Tälern von Bolschoi Sachrai, Malenki Sachrai, Sachrai und Afonka. Der hierdurch gewonnene Eindruck wird bereichert durch Beobachtungen auf der Strecke Tal der Mal. Laba (bei Kirovski)-Mal. Bambak-Teufelstor-Tchatschgebiet, die im Jahre 1998 begangen wurde. Eine wesentliche Erkenntnis aus dieser letztgenannten Tour war die Einsicht, daß die im Tchatschgebiet noch reichlich vorhandenen Urwälder großräumig keineswegs mehr das Typische darstellen und daher besonderen Schutz verlangen.

Eine vollständige Aufarbeitung des gesammelten Probenmaterials war noch nicht möglich. Trotzdem lassen sich schon wichtige Einschätzungen treffen:


2. Ergebnisse
2.1 Allgemeine Bewertung (zum Seitenanfang)

Das Untersuchungsgebiet ist durch eine große Vielfalt an Arten und Vergesellschaftungen von Flechten und Moosen gekennzeichnet. Es wurden bisher über 200 Flechten- und über 100 Moossippen nachgewiesen (Otte 2001), wobei erst ein Teil des gesammelten Materials identifiziert wurde. Die weitere Aufarbeitung des Probenmaterials sowie die geplante Fortsetzung der Geländearbeiten lassen ein weiteres deutliches Ansteigen der Artenzahlen, z. B. bei den Krustenflechten erwarten, wo ein noch längst nicht erschöpfend dokumentierter Reichtum vorhanden ist. Indiz hierfür sind die Beobachtungen von Titow, der bei gezielter Erfassung der coniocarpen Krustenflechten (Ordnung Caliciales) allein in der Umgebung von Guzeripl' 21 für das Kaukasische Staatliche Biosphärenreservat neue Arten nachweisen konnte (Ескин  1994), also fast ¼ des aus der Russischen Föderation bekannten Gesamtartenbestandes dieser Ordnung (Титов 1998).

Unter dem gesammelten Material befinden sich Vertreter von bisher nur unzureichend geklärten Formenkreisen, so aus den Gattungen Opegrapha, Ramalina und Frullania sowie weiteres Material, das noch eingehenderer taxonomischer Studien bedarf.

Einige von uns im Gebiet beobachtete Arten sind nach der vorliegenden Literatur (Бархалов 1983, Красн ая Книга РСФСР 1988) neu für den Kaukasus: Buellia schaereri, Caloplaca herbidella, Cetraria laureri, Cladonia ecmocyna, Hypotrachyna endochlora, Hypotrachyna revoluta, Parmelia submontana, Parmelina pastillifera.Hypotrachyna endochlora war nach der vorliegenden Literatur aus Rußland bisher nicht bekannt.

Diese Reichhaltigkeit gründet sich zunächst auf die naturräumlichen Voraussetzungen. Zu nennen sind in dieser Hinsicht insbesondere Eine weitere Erhöhung der Diversität an Standorttypen erfolgt durch Einflüsse menschlicher Nutzungen, die die Ausbildung verschiedener Ersatzgesellschaften des Waldes zur Folge haben. Zur Erhöhung der Artenvielfalt tragen diese Einwirkungen vermutlich in erster Linie bei kleinflächiger Betrachtung bei.

Der Florencharakter ist in noch weit höherem Maße als bei den Phanerogamen europäisch. Im Unterschied zu weiten Teilen Europas sind jedoch im Untersuchungsgebiet zahlreiche Arten noch vital und in guten Beständen vorhanden, die andernorts großflächig verschwunden oder extrem zurückgegangen sind, woraus ein hoher Wert des Gebietes für die Erhaltung der globalen Biodiversität resultiert. Die Urachen hierfür sind vor allem: Gerade die Kombination beider Umstände - Auftreten von Urwäldern in unbelasteter Umwelt - ist in der europäischen Florenregion sonst kaum noch gegeben, da selbst die wenigen noch vorhandenen größeren Urwaldgebiete, auch außerhalb der stärker industrialisierten Regionen (z. B. Białowieża), von Fernwirkungen industrieller Emissionen in einem Maße beeinflußt werden, das zu merklichen Veränderungen im floristischen Bestand empfindlicher Kryptogamen führt (vgl. Cieśliński & Tobolewski 1988). Unter diesen Bedingungen erlangt das Untersuchungsgebiet eine außerordentlich hohe Bedeutung für den Schutz und das Studium einer anthropogen weitgehend ungeschädigten Kryptogamenvegetation europäischen Charakters, die durch ihre naturräumlich bedingte große Vielfalt um so höher einzuschätzen ist.

Endemismus ist augenscheinlich weniger ausgeprägt als bei den Höheren Pflanzen, doch weist das Untersuchungsgebiet auch bei dem Kryptogamen Eigenheiten auf. In dieser Hinsicht bestehen noch deutliche Forschungsdefizite und es steht zu erwarten, daß die weitere taxonomische Arbeit hier noch zu neuen Erkenntnissen führen wird, was die Erhaltung des Gebietes und seiner Kryptogamenvegetation für derartige Studien verlangt. Ein Teil der in den Aufsammlungen enthaltenen Sippen ist möglicherweise noch unbeschrieben.

Floristische Besonderheiten treten im Gebiet vor allem infolge der o. g. spezifischen Verhältnisse bezüglich Klima und Geologie auf. Infolge des stark ozeanisch beeinflußten Klimacharakters besitzt eine Reihe von schwerpunktmäßig westeuropäisch verbreiteten Arten hier ihre östlichsten, z. T. deutlich isolierten europäischen Vorkommen: Hypotrachyna revoluta, Hypotrachyna endochlora, Lobaria amplissima, Sticta fuliginosa, Sticta sylvatica. Das Vorhandensein von Kalkstein als geologischem Untergrund stellt innerhalb des Kaukasus eine Besonderheit dar (Tietz mdl.), so daß die gesamte Kalkflora als schützenswerte Eigenheit des Gebietes anzusehen ist.

Ein deutliches Zeichen für die optimalen Lebensbedingungen, die für viele Sippen im Gebiet herrschen, ist das Auftreten fruchtender Exemplare von Flechtenarten, die sonst fast immer steril bleiben: Evernia divaricata, Flavoparmelia caperata, Heterodermia obscurata, Imshaugia aleurites, Parmelia saxatilis, Parmelia sulcata, Pseudevernia furfuracea, Sticta fuliginosa. Dabei handelt es sich zum großen Teil um noch wesentlich empfindlichere Sippen als die von Cieśliński & Tobolewski (1988) für den Urwald von Białowieża als früher dort fruchtend beobachtet angegebenen, aktuell nur noch steril nachgewiesenen Arten.

Vielfach finden sich auch lichenicole Pilze. Die Aufarbeitung des gesammelten Material war noch nicht möglich. In Europa ist diese Organismengruppe infolge des Schwindens der Wirtsorganismen sehr stark zurückgegangen.Die Erhaltung der Artenvielfalt auch dieser Gruppe im Gebiet durch Erhaltung des Ökosystems erscheint um so dringender, als die taxonomische und ökologische Forschung in diesem Bereich noch vor großen Aufgaben, in Europa aber wegen des Schwundes an Biodiversität auch vor großen Schwierigkeiten steht.

2.2 Besonders beachtenswerte Arten (zum Seitenanfang)


Zu den gegen Schadstoffimmissionen und z. T. auch gegen forstwirtschaftliche Eingriffe empfindlichen Arten, die in Europa vielfach extrem zurückgegangen, im Untersuchungsgebiet aber in meist vitalen Beständen vorhanden sind, zählen u. a. folgende Sippen (der Nennung der Art folgen jeweils kurze Anmerkungen zu ihrem Auftreten in dem oben umrissenen Untersuchungsgebiet):

Flechten:

Moose:

Neckera pennata und Neckera pumila: in der unteren Bergwaldstufe verbreitet an Urwaldbuchen.


2.3 Arten der Roten Bücher bzw. Roten Listen (zum Seitenanfang)

Eine Reihe der im Gebiet vertretenen Arten hat aufgrund ihrer überregionalen Gefährdung Aufnahme in die Roten Listen bzw. Roten Bücher gefunden:

Flechten:

Die genannten Arten sind meist wegen ihrer Empfindlichkeit gegen anthropogene Einflüsse (s. o) und darin begründeten Rückgangs, oft in Verbindung mit Seltenheit in Rußland in die Roten Bücher aufgenommen worden.

Moose:

Frullania parvistipula: Red Data Book of European Bryophytes (1995): Endangered. Nach vorstehend genannter Quelle ist diese Art in Europa (einschließlich des Kaukasus) nur von 4-5 Punkten bekannt, z. T. nur historisch; davon zwei Populationen im Kaukasus, von denen eine als wahrscheinlich verschwunden angesehen wird. Über aktuelles Vorkommen im Kaukasischen Staatlichen Biosphärenreservat ist nach dieser Quelle nichts bekannt. - Im Untersuchungsgebiet an alten Bäumen im Urwald nachgewiesen.

Buxbaumia viridis: Red Data Book of European Bryophytes (1995): Vulnerable - Ein Bewohner zerfallender, morscher Tannenstämme in den Urwäldern des Tchatschgebietes. Für den Schutz der Art schlägt das Red Data Book of European Bryophytes (1995) die Einrichtung bzw. Erhaltung von nur minimal forstwirtschaftlich genutzten Waldbeständen vor, insbesondere den Verzicht auf Räumung gefallener Nadelholzstämme.

 Koboldmoos Abb. 8:
Das Koboldmoos Buxbaumia viridis benotigt zerfallende Tannenstämme zum Gedeihen
(Tal. des Bol. Sachrai, Sept. 1998, phot. V. Kummer)

Neckera pennata: Red Data Book of European Bryophytes (1995): Vulnerable - Vorkommen im Gebiet und Bewertung s. o.
Die in Roten Büchern für den Bereich der ehemaligen Sowjetunion bzw. ihrer Teile und Nachfolger gelisteten Arten besitzen den Status gesetzlich besonders geschützter Sippen.

3. Zusammenfassung (zum Seitenanfang)

Durch eine hohe Vielfalt an Kryptogamenarten, darunter vielen überregional gefährdeten Sippen, besitzt das Gebiet großen Wert für die Erhaltung der globalen Biodiversität. Eine Reihe von Arten unterliegt dem gesetzlichen Schutz durch die Roten Bücher der UdSSR, Rußlands oder einzelner seiner Subjekte. Für die Erhaltung vieler dieser Arten ist neben der Bewahrung der günstigen Umweltsituation (sehr geringe oder fehlende Luftbelastung) vor allem der Schutz der noch vorhandenen Urwaldgebiete, d. h. ein weiterhin möglichst vollständiges Unterlassen jeder Nutzung besonders der Tannen- und Buchenurwälder sehr wichtig. Vor allem die luftfeuchten Talgründe sind in dieser Hinsicht zu nennen, bergen sie doch in besonders konzentrierter Form Vorkommen von überregional z. T. hochgradig gefährdeten Sippen von Flechten und Moosen.

luftfeuchte Urwaldgründe Abb. 9:
Die luftfeuchten Urwaldgründe sind besonders reich an überregional gefährdeten Kryptogamenarten; ihre Erhaltung ist daher eine vordringliche Aufgabe.

4. Literatur (zum Seitenanfang)

Cieśliński, S. & Z. Tobolewski (1988): Porosty (Lichenes) Puszczy Białowieżskiej i jej zachodniego przed­pola. - Phytocoenosis 1: 1-216.

Otte, V. (2001): Flechten und Moose im Gebiet des Bolschoi Tchatsch (NW-Kaukasus). Eine erste Übersicht. -  Feddes Repert. 112 (7-8): 565-582.

Red Data Book of European Bryophytes (1995). Hrsg. European Committee for Conservation of Bryophytes. Trondheim.

Umweltbundesamt [Hrsg.] (1997): Daten zur Umwelt. Der Zustand der Umwelt in Deutschland. Ausgabe 1997. Berlin, 570 S.

Бархалов, Ш.О. (1983): Флора лишайников Кавказа. Баку, 338 S.

Ескин, Н. В. (1994): Изучение лишайников в Кавказском заповеднике. ­­- In: Кавказский Государственный Био­­сфер­ный Заповедник (Hrsg.): Итоги и перспективы экологического мониторинга в заповедниках. Мате­ри­алы на­уч­ной конференции посвященной 70-летию организации Кавказского заповедника. Сочи: 44-55.

Красная Книга Краснодарского края (1994). Редкие и находящиеся под угрозой изчезновения виды растений и животных. Ред. В. Нагалевский. Краснодар.

Красная Книга Республики Адыгея (1997). Информационный бюллетень. Список редких и находящихся под угрозой изчезновения объектов растительного и животного мира. Hrsg. Министерство охраны окружающих среды и природных ресурсов Республики Адыгея. Майкоп.

Красная Книга РСФСР (1988). Растения. Hrsg. Акад. Наук СССР. Москва.

Красная Книга СССР (1985). Редкие и находящиеся под угрозой изчезновения виды животных и растений. 2. Aufl., 2. Bd. Hrsg. Министерство Сельского Хозьяйство СССР, Академия Наук СССР. Москва.

Пучик, М Л. & Морозова, О В. (1994): Кислотность атмосфернух осадков в Тебердинском Государственном заповеднике. In: Кавказский Государственный Био­­сфер­ный Заповедник (Hrsg.): Итоги и перспективы экологического мониторинга в заповедниках. Мате­ри­алы на­уч­ной конференции посвященной 70-летию организации Кавказского заповедника. Сочи: 138-139.

Титов, А. Н. (1998): Таблицы к определению порошкоплодных лишайников (порядок Caliciales) России. - Новости Сист. Низш. растений 32: 92-110.


Anschrift des Verfassers:
Dr.Volker Otte
Staatliches Museum für Naturkunde
PF 300 154
02806 Görlitz

Email: Volker.Otte@smng.smwk.sachsen.de Zitiervorschlag: Otte, V. (2001): [Kaukasus, Gebiet des Bolschoi Tchatsch:] Flechten und Moose.