Wesentliche Ergebnisse unserer Untersuchungen im Nordkaukasus sind veröffentlicht worden.
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Notizen zur Pilzflora im Bereich  des Bolshoj Tkha´c-Massivs im Nordwestkaukasus

von Volker Kummer

1. Einleitung - 2. Kurzeinschätzung der Makromycetenflora - 3. Pilzflora von Abies nordmanniana - 4. Rote Liste-Arten - 5. Anmerkungen zu einigen bemerkenswerten Arten - 6. Myxomyceten-Funde - 7. Phytoparasiten - Literatur


1. Einleitung (zum Seitenanfang)

Die vielgestaltige Bergwelt des Kaukasus mit seiner reichhaltigen Naturausstattung übt bereits seit mehr als 200 Jahren einen besonderen Reiz auf die Naturforscher aus. Zahlreiche Exkursionen zum Kennenlernen seiner Lebewelt wurden in alle Teile des Gebirges durchgeführt und deren Ergebnisse publiziert. Aus der Fülle der erschienenen Werke seien an dieser Stelle lediglich die Arbeiten von PALLAS (1773), MARSCHALL von BIEBERSTEIN (1808-1819), RADDE (1874, 1899a, 1899b), ENGLER (1913), GROSSHEIM (1928-34) und GALUSCHKO (1978-1980) erwähnt.

War es zuerst v.a. die Pflanzenwelt, die man einer intensiven Inventarisierung unterzog, so wurde später auch der Mykoflora des Gebietes eine verstärkte Aufmerksamkeit zuteil. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang PALLAS (1771-1776), der in seinen Reiseschilderungen bereits mehrere Pilzarten erwähnt. Später erschienen dann einige Artikel mit Aufzeichnungen von getätigten, z.T. sehr umfangreichen Aufsammlungen aus verschiedenen Regionen des Kaukasus. Genannt seien die Aufsätze von BUHSE (1860), HOLLOS (1902), SIEMASZKO (1923), VORONICHIN (1927) und VASILJEWA (1939). Auch Rolf SINGER, ein weltbedeutender Mykologe deutscher Abstammung, konnte die Faszination der Pilzflora eines Teilgebietes des Kaukasus erleben. Die dabei gesammelten Ergebnisse legte er 1930 bzw. 1931 in zwei Artikeln nieder. Und selbst in neuerer Zeit wurden immer wieder Sammelexkursionen in einzelne Regionen des riesigen Gebirges unternommen. Ein Großteil von ihnen hatte das Staatliche Kaukasische Biosphärenreservat (Zapovednik) zum Ziel und erbrachte noch so manche bis dahin der Wissenschaft unbekannte Pilzart (BONDARCEV 1971, KOVALENKO 1979, 1980, KLAN & KOTILOVA-KUBIČKOVÁ1982, VAASMA et al. 1986, KALAMEES 1989). Darüber hinaus listet NAGALEVSKIJ (1987) insgesamt 56 Pilzarten vom Lagonaki-Plateau auf.

Im September 1998 nahm Verf. an einer Exkursion zum Bergmassiv des Bolshoj Tkha´c (2368 m ü. NN) teil. Sie führte die Teilnehmer in einem sechstägigen Marsch von Nikitino, südlich von Psebaj gelegen, über die Hochfläche des Malenkij Bambak hinüber zum Berg Sunduki und von dort zum Tkha´c-Massiv. Hier wurde für eine Woche in der auf der Westseite des Berges auf adygeischem Gebiet liegenden Hütte in ca. 1900 m Höhe Station bezogen, um dann anschließend in zwei weiteren Tagen nach Novoprochladnoje hinabzusteigen. Vor allem der Aufenthalt in der Tkha´c-Hütte wurde für mehrere ganztägige Sammelexkursionen zur Erfassung der Pilzflora des Gebietes genutzt. Infolge der vorangegangenen mehrwöchigen, langandauernden Trockenheit war die Pilzfruktifikation außerordentlich eingeschränkt. Trotzdem konnten einige interessante Aufsammlungen getätigt sowie ein Einblick in die Vielfalt der Pilzflora des Gebietes gewonnen werden. Einige Aspekte sollen im folgenden vorgestellt werden.


2. Kurzeinschätzung der Makromycetenflora(zum Seitenanfang)

Während der Exkursion wurden trotz intensiver Suche aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit lediglich 24 Ascomyceten und 56 Basidiomyceten registriert. Bei diesen handelt es sich zumeist um weitverbreitete und in Deutschland regelmäßig anzutreffende, saprophytische Arten, die das zahlreich vorhandene Totholz zersetzen. Von Mykorrhizapilzen, wie Milchlingen (Lactarius) , Täublingen (Russula) sowie zahlreichen Röhrlingsgattungen (z. B. Boletus, Xerocomus, Suillus) , wurden während der gesamten Exkursion nahezu keinerlei Aufsammlungen getätigt. Lediglich der Lila Milchling (Lactarius lilacinus) , der Violette Lacktrichterling (Laccaria amethystina) und der Erdwarzenpilz (Thelephora terrestris) konnten je einmal notiert werden.

Bei den festgestellten Basidiomyceten handelt es sich zumeist um Vertreter der Aphyllophorales (39 Arten), die mit ihren oftmals derben Fruchtkörpern auf dem verrottenden Holz überdauern. Arten der Agaricales (17), die sich oftmals durch relativ kurzlebige Fruchtkörper auszeichnen, traten wesentlich seltener auf. Eine Ausnahme bildete der Hallimasch (Armillaria mellea agg.) , der sich in den urwaldartigen Beständen unterhalb von ca. 1600 m ü. NN recht zahlreich an verschiedenen Baumarten fand.

Auch bei den Ascomyceten zeichnete sich die gleiche Tendenz ab. Zwei Drittel der registrierten Arten (15) wuchsen auf sich in unterschiedlichem Verrottungsgrad befindlichen Hölzern, während die übrigen Sippen Besiedler von Gräsern (Claviceps purpurea) , alten Pilzfruchtkörpern (Hypocrea pulvinata, Ophiostoma polyporicola) , Blättern von Laubbäumen (Rhytisma acerinum, R. salicinum) u.a. Substraten waren.

Unter den besiedelten Bäumen dominierte die Orient-Buche (Fagus orientalis) . Immerhin 26 Macromyceten wurden an ihrem Holz festgestellt. Genannt werden sollen solch typische Fagus -Zersetzer wie Biscogniauxia nummularia, Diatrype disciformis, Hypoxylon deustum , H. fragiforme, Fomes fomentarius, Schizophyllum commune und Trametes hirsuta . Dazu gehören aber auch Arten, die nur selten Buchenholz besiedeln, wie Panellus stipticus , der meist auf Quercus-Holz zu finden ist, und Trichaptum abietinum , eine typische Nadelholz-Sippe. Hinsichtlich der Häufigkeit als Besiedlungssubstrat folgen der Orient-Buche die Gehölzgattungen Betula (13x), Abies (12x) und Pinus (7x). Hierin spiegelt sich auch die Baumartenzusammensetzung und ihre jeweilige Häufigkeit im Exkursionsgebiet wider. Weitere besiedelte Substrate der lignicolen Sippen waren Alnus (5x), Salix (3x), Fraxinus, Ulmus und Acer (je 2x), Corylus, Eonymus und Sorbus (je 1x) sowie nicht determiniertes Laubholz (10x).

Während die Vielfalt der Mykoflora in der oberen montanen Region im Bereich der Hütte am Bolshoj Tkha´c-Massiv (ca. 1900 m ü. NN) infolge der Trockenheit und des etwas eingeschränkten Substratangebotes eher bescheiden ausfiel, zeigte sie in den tiefer liegenden Gebieten (ca. 1000 m ü. NN) in der Nähe des Zusammenflusses des Malenkij und Bolshoj Sachraj eine deutlich größere Vielfalt. Immerhin 36 Aufsammlungen konnten hier innerhalb einer mehrstündigen Exkursion während des Abstiegs gewonnen werden. Dies vermittelt einen kleinen Eindruck von dem zu erwartenden mykologischen Reichtum. Hier gilt es in Zukunft die Untersuchungsintensität zu verstärken.

Ähnliches läßt sich auch hinsichtlich des in den oberen montanen Lagen befindlichen, durch zahlreiche Bäche durchschnittene obere Tals des Tkha´c-Flusses feststellen. Eine kurze Stippvisite in diesem Bereich erbrachte zahlreiche interessante Pilzfunde, die den vorhandenen Pilzreichtum des Gebietes, der angesichts der widrigen Witterungsumstände bei der 1998er Exkursion nur beschränkt erfaßt wurde, bereits erahnen läßt.


3. Pilzflora von Abies nordmanniana(zum Seitenanfang)

Von den festgestellten Basidiomyceten seien Bondarzewia mesenterica, Hericium flagellum (Abb. Pilz 1)

Tannenstachelbart Abb. Pilz 1: Der Tannenstachelbart (Hericium flagellum) benötigt zerfallende Tannenstämme und ist deshalb in Mitteleuropa sehr selten geworden. Im Untersuchungsgebiet konnte er noch zahlreich festgestellt werden.

und Phellinus hartigii besonders erwähnt. In allen Fällen handelt es sich um Besiedler älteren Tannenholzes unterschiedlichen Zersetzungsgrades, hier Abies nordmanniana . Ihr Vorkommen im Kaukasus geht bereits aus den Veröffentlichungen von VASILJEVA (1939), SINGER (1930, 1931), VAKIN & ŠTRAUCH (1950), BONDARCEV (1971) sowie KLAN & KOTILOVA-KUBIČKOVA (1982) hervor. SINGER (1930) berichtet hierbei von einem sehr häufigen Auftreten des Bergporlings (Bondarzewia mesenterica) in den Tälern des Zentralkaukasus zwischen 600 m ü.NN bis hinauf zur Waldgrenze.

Während der 1998er Exkursion wurden die drei Pilzarten an den Tannen-Stämmen bzw. -Stubben in den urwaldartigen Waldbeständen in der Nähe der Kolokolnja mehrmals registriert, Hericium flagellum auch an gefällten Stämmen auf zwei Holzlagerplätzen entlang der Exkursionsroute. Da in Deutschland derartiges Tannen-Altholz nur noch selten zu finden ist - Abies alba gilt in Deutschland als gefährdete Art - ist die recht hohe Gefährdungseinschätzung (stark gefährdet) der drei Pilzsippen in Deutschland verständlich. Das Fehlen von Hericium flagellum in den Tannen-Mischwäldern des Innneren Schwäbisch-Fränkischen Waldes (KRIEGLSTEINER 1977) sowie der seltene Nachweis im Schwarz- und Böhmerwald durch JAHN (1968) unterstreicht dies deutlich. Vor allem die moderne Forstwirtschaft führt zu einem Verschwinden geeigneter Lebensräume und Substrate. So vermerkt JAHN (1968) hinsichtlich Phellinus hartigii , daß der Pilz außerhalb von Waldreservaten selten zu finden ist und in gepflegten Forsten völlig fehlt.

Ähnliches ließe sich sicherlich für das Exkursionsgebiet im Kaukasus konstatieren. Hier konzentrieren sich die ausgedehnteren Tannenvorkommen auf die schwer zugänglichen montanen Bereiche, während in den tiefer gelegenen Abschnitten die großflächige Entnahme von Abies - und Fagus -Altholzstämmen hinsichtlich der Altersstruktur der Bestände deutliche negative Auswirkungen zeigt. Somit bieten die Vorkommen im Bereich des Bolshoj Tkha´c noch entsprechende Lebensräume für diese Sippen.

Weitere an Abies nordmanniana während der Exkursion festgestellte Sippen waren: Armillaria mellea, Bjerkandera adusta, Calocera furcata, Fomitopsis pinicola, Galerina marginata, Hymenochaete mougeotii, Hypholoma capnoides, Pleurotus dryinus und Schizophyllum commune . Vor allem das Vorkommen der beiden letztgenannten Arten sowie des Angebrannten Rauchporlings an Tannen-Holz ist interessant, gelten diese Arten doch eher als Laubholzzersetzer, die nur gelegentlich auf Nadelholz übergehen. Zahlreiche weitere, an Abies nordmanniana vorkommende Porlinge, u.a. auch die gewöhnlich Laubholz besiedelnden Sippen Ganoderma lipsiensis, Ganoderma lucidum, Polyporus badius und Inonotus dryadeus , finden sich in den oben genannten Literaturstellen. Gleichlautende Beobachtungen beschreibt KRIEGLSTEINER (1977) aus Ostwürttemberg von Abies alba


4. Rote Liste-Arten(zum Seitenanfang)

Die Rote Liste gefährdeter Pilzarten in Rußland bzw. in der ehem. UdSSR enthält im Gegensatz zu Deutschland lediglich 17 bzw. 20 Arten (AKADEMIJA NAUK SSSR 1985, 1988). Von diesen wurde die aufgrund ihrer Seltenheit (Kategorie R) in beiden Roten Listen erscheinende Krause Glucke (Sparassis crispa) einmal am Stammfuß von Pinus kochiana zwischen der Hütte am Bolshoj Tkha´c und der Kolokolnja gefunden. Neben dem Krasnodarer Gebiet liegen nur noch Nachweise des bei uns so häufigen Pilzes von Sachalin sowie aus dem Altaier, Krasnojarsker, Chabarowsker und Primorsker Gebiet vor. Sowohl VASILJEVA (1939), KLAN & KOTILOVA-KUBIČKOVA (1982) als auch  LEBEDEVA (1994) melden ihn aus dem Schutzgebiet des Kaukasus (Zapovednik), SINGER (1931) aus dem Zentralkaukasus.


5. Anmerkungen zu einigen bemerkenswerten Arten(zum Seitenanfang)

Nachfolgend sollen einige während der 1998er Exkursion gesammelte bemerkenswerte Arten kurz vorgestellt werden. Folgende Angaben werden zu den einzelnen Funden mitgeteilt: Pilzart, Substrat, Funddatum, Fundort, Anmerkungen.


Biscogniauxia repanda (Fr.: Fr.) O. Kuntze

an Sorbus aucuparia , 07.09.98, zwischen der Hütte unterhalb des Bolshoj Tkha´c und der Kolokolnja.

Anmerkung: Nach RYMAN & HOLMÅSEN (1992) ist der Pilz in Skandinavien verbreitet, in Mitteleuropa jedoch selten und wenig bekannt. KRIEGLSTEINER & ENDERLE (1989) erwähnen ihn für die BRD noch nicht, obwohl SCHMID-HECKEL (1988) die Art bereits in den Berchtesgardener Alpen nachgewiesen hatte. Weitere Funde dieses offensichtlich montan verbreiteten Pilzes gelangen LUSCHKA (1993) im Nationalpark Bayerischer Wald.

Aus der Tschechoslowakei nennt POUZAR (1986) lediglich wenige Nachweise. Im Kaukasus könnte er in den montanen und oberen montanen Lagen weiter verbreitet sein. Erstaunlich ist jedoch, daß lediglich VASILJEVA (1939) den Pilz erwähnt.


Onygena equina (Willd.) Pers. ex Fr. (Abb. Pilz 2)

Onygena equina Abb. Pilz 2: Onygena equina besiedelt alte Pferdehufe

an altem Pferdehuf, 01.09.98, Rastplatz am SE-Rand der Hochfläche des Malenkij Bambak.

Anmerkung: RYMAN & HOLMÅSEN (1992) bezeichnen den Pilz als selten vorkommend auf faulenden Hufen, Klauen und Hörnern. Aus Sachsen liegen lediglich drei Fundmeldungen vom Beginn des 19. Jahrhunderts vor (HARDTKE & OTTO 1998), aus Westdeutschland verzeichnet KRIEGLSTEINER (1993) 13 Nachweise mit einer deutlichen Konzentration auf die höheren Lagen. Im Kaukasus fruktifizierte der Pilz in ca. 1400 m ü. NN in einem Gebiet, das noch heute der Pferdezucht dient. Ältere Angaben finden sich bei HOLLOS (1902) und VORONICHIN (1927).


Ophiostoma polyporicola O. Const. & Ryman

auf alten Fruchtkörpern von Piptoporus betulinus (Bull.: Fr.) Karst. und Fomitopsis pinicola (Sw.: Fr.) Karst., 07.09.98, zwischen der Hütte unterhalb des Bolshoj Tkha´c und der Kolokolnja.

Anmerkung: Aufgrund seiner Kleinheit und des Wachstums auf etwas ungewöhnlichem Substrat (alte, in Verwesung übergehende Porlingsfruchtkörper) ist der Pilz in Deutschland bisher erst selten gemeldet worden. KRIEGLSTEINER (1993) gibt ihn lediglich aus 7 Meßtischblättern an. Alle Fundpunkte liegen in höheren Lagen (vgl. auch LUSCHKA 1993). Dies entspricht auch den Beobachtungen des Verf., der den Pilz in Brandenburg trotz beständiger Suche bisher nicht fand. Im Exkursionsgebiet zwischen der Hütte unterhalb des Bolshoj Tkha´c und der Kolokolnja fehlte er fast auf keinem der langsam in Zersetzung übergehenden Piptoporus -Fruchtkörper und fand sich darüber hinaus gelegentlich auf älteren Fomitopsis -Porlingskonsolen. In der gesichteten mykologischen Literatur über das Kaukasus-Gebiet wurde keine Erwähnung des Pilzes gefunden.


Pezoloma marchantiae (Sommerf.) Benkert

auf älteren, abgestorbenen Marchantia polymorpha -Thalli, 05.09.98, ausgetrocknete Quelle am E-Hang des Malenkij Tkha´c.

Anmerkung:
Bei dieser Art handelt es sich wahrscheinlich um eine der zahlreichen übersehenen Pilz-Sippen. Obwohl sie bereits 1826 aus Lappland beschrieben wurde, existieren bisher erst wenige Nachweise von ihr. BENKERT (1981), der den Pilz in Pezoloma überführte, nennt neben dem Erstfund lediglich 2 Nachweise in Nordamerika, einen Fund in der CSSR und den eigenen bei Königs Wusterhausen. In der Zwischenzeit ist er auch in der Schweiz, in Oberfranken (ENGEL & HANFF 1989) und in Leipzig (HARDTKE & OTTO 1998) gefunden worden. Verf. entdeckte den Pilz vor einigen Jahren bei Potsdam. Aus dem Kaukasus ist Verf. bisher kein Fund bekannt; VAASMA et al. (1986) vermelden jedoch mit dem Nachweis von Hymenoscyphus marchantiae (Berk.) Dennis einen weiteren Ascomyceten, der auf älteren Thalli von Marchantia polymorpha wächst. Über einen Fund von Pezoloma marchantiae aus Rußland (Nordkarelien) informiert OTTO in OTTO & MÜLLER (1998).


Ramsbottomia macracantha (Boud.) Benkert & Schum

zwischen Moosen auf nassem, humosen Boden eines Quellhanges, 06.09.98, zwischen der Hütte unterhalb des Bolshoj Tkha´c und dem Sattel zwischen Bolshoj und Malenkij Tkha´c (det. D. BENKERT).

Anmerkung:
Der Pilz hat rein äußerlich eine große Ähnlichkeit mit den bryoparasitischen, sehr kleinen Octospora - und Lamprospora -Arten. Er parasitiert jedoch nicht auf Moosen. Die Sporen sind durch eine auffallende stachelige Ornamentierung gekennzeichnet. KRIEGLSTEINER (1993) gibt diese Sippe aus Westdeutschland bereits aus 17 Meßtischblättern an, für Ostdeutschland sind Nachweise aus 3 Meßtischblättern in Thüringen und 6 Meßtischblättern in Sachsen vermerkt. Die Verbreitung in Sachsen wird von HARDTKE & OTTO (1998) als zerstreut bezeichnet. Die Funde stammen aus dem Erzgebirge, dem Erzgebirgsvorland, dem Sächsischem Hügelland und dem Vogtland. Der Pilz gilt in Sachsen als gefährdet. BENKERT & SCHUMACHER (1985) zitieren weitere Nachweise aus Mecklenburg sowie Finnland und Norwegen. Aus dem Kaukasus scheinen bisher Angaben zu dieser Species zu fehlen.


Marasmius rhododendrorum Kalam.

auf älteren, verrottenden Rhododendron -Blättern inmitten eines Rhododendron caucasicum -Gebüsches, 07.09.98, zwischen der Hütte unterhalb des Bolshoj Tkha´c und der Kolokolnja.

Anmerkung:
Vergleichbar mit zahlreichen anderen Schwindlingen scheint die Art eine hohe Substratspezifität zu besitzen. Sie wurde im August 1974 erstmals im Kaukasus-Zapovednik gesammelt und gut 10 Jahre später von KALAMEES in VAASMA et al. (1986) neu beschrieben. 1989 publiziert sie KALAMEES zusammen mit weiteren in der ehemaligen UdSSR neu entdeckten bzw. umkombinierten Arten nochmals. ANTONIN (1992) hält M. rhododendrorum für eine gute und deutlich charakterisierte Art. Sie ist mit dem auf Ilex -Blättern wachsenden M. hudsonii (Pers.: Fr.) Fr. nahe verwandt, worauf u.a. die auf dem Hut und Stiel vorhandenen abstehenden Haare hinweisen. Eine weitere ebenfalls auf Rhododendron -Blättern fruktifizierende Sippe ist Marasmius epirhododendron Kalam., die ebenfalls aus dem Kaukasus-Zapovednik neu beschrieben wurde (VAASMA et al. 1986, KALAMEES 1989, ANTONIN 1992).


Mycena pterigena (Fr.: Fr.) Kumm.

an Athyrium felix-femina (L.) Roth, 01.09.98, Bachlauf westlich des Rastplatzes am SE-Rand der Hochfläche des Malenkij Bambak bzw. 12.09.98, Oberlauf des Tkha´c-Flusses.
Anmerkung:

Hierbei handelt es sich nach Ansicht des Verf. um eine an geeigneten Standorten im Exkursionsgebiet sicherlich regelmäßig anzutreffende Art. Vergleichbare Beobachtungen des Verf. liegen sowohl aus Brandenburg als auch aus dem tschechischen Riesengebirge vor. Aus dem Kaukasus existieren bereits Fundmeldungen von SINGER (1931) bzw. VAASMA et al. (1986). Letztere fanden sie jedoch nur selten an absterbenden Farnwedeln in Buchen-Tannen- und gemischten Tannenwäldern.


6. Myxomyceten-Funde(zum Seitenanfang)

Während des Exkursionszeitraumes wurden insgesamt 11 Myxomyceten nachgewiesen. Zumeist handelt es sich auch hierbei um weit verbreitete und z.T. kosmopolitische Arten, wie Arcyria denudata, Enteridium lycoperdon, Fuligo septica, Lycogala epidendrum und Trichia varia . Von den getätigten Funden soll lediglich Fuligo leviderma H. Neubert, Nowottny & K. Baumann etwas hervorgehoben werden, bezeichnen NEUBERT et al. (1995) diese Sippe bezugnehmend auf KRIEGLSTEINER als typisch für die montanen und submontanen Buchenwälder Mitteleuropas. Klimatisch entspricht dies in etwa dem Exkursionsgebiet im Kaukasus. In den Alpen wurde die Art bis um 1200 m ü. NN beobachtet; die eigenen Aufsammlungen im Kaukasus entstammen um 1600 - 1700 m ü. NN.

Darüber hinaus wurden wenige Sporocarpien von Trichia alpina Meylan gesammelt (det. H. MARX). Nach NEUBERT et al. (1993) ist diese in der Regel nivicole Sippe bisher im gesamten Alpenraum, in Nordamerika und Japan nachgewiesen worden.


7. Phytoparasiten(zum Seitenanfang)

Im Laufe der Exkursion wurden insgesamt 15 Echte Mehltaupilze, 34 Rostpilze und 2 Brandpilz nachgewiesen. Der Großteil von ihnen ist weitverbreitet und in Deutschland regelmäßig anzutreffen. Lediglich von zwei der nachgewiesenen Arten fehlen bisherige Fundmeldungen aus Deutschland. Sowohl Cynodon dactylon als auch Telekia speciosa treten hier nur neophytisch auf und sind meist unbeständig. Ein Befall mit den im Kaukasus notierten Phytoparasiten (Ustilago cynodontis (in Maikop) und Coleosporium telekiae) ist aus Deutschland bisher nicht berichtet worden. Offensichtlich ist der Pilz seinem Wirt noch (?) nicht bis hierher gefolgt.

Von den registrierten Arten sind aus deutscher Sicht sowohl Puccinia gentianae als auch Puccinia ribis von besonderem Interesse. Erstgenannter Pilz konnte im Exkursionsgebiet auf Gentiana cruciata nachgewiesen werden. Bereits HOLLOS (1902) berichtet über Funde auf Gentiana septemfida . Später gibt ihn dann SIEMASZKO (1923) von Gentiana spec. an, während VORONICHIN (1927) und VASILJEVA (1939) Funde auf Gentiana cruciata und G. septemfida nennen. Aus Ostdeutschland listet BRAUN (1982) lediglich 7 Funde auf, die alle aus dem letzten Jahrhundert oder der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen.

Von Puccinia ribis zählt BRAUN (1982) lediglich zwei, bereits länger zurückliegende Nachweise in diesem Jahrhundert auf. Nach FOITZIK (1996) gilt er in Deutschland als ausgestorben. Während der Exkursion wurde der Pilz mehrmals im Bereich zwischen der Hütte unterhalb des Bolshoj Tkha´c-Massivs und der Kolokolnja registriert. Aus dem Kaukasus liegen bereits Nachweise von SIEMASZKO (1923) und VORONICHIN (1927) vor.


Literatur(zum Seitenanfang)

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