Wesentliche Ergebnisse unserer Untersuchungen im Nordkaukasus sind veröffentlicht worden.
Allgemeines Vegetation Pilze Flechten&Moose Höhlen Literatur Buch Links

Zur Phanerogamenvegetation und -flora und Aspekten ihrer anthropogenen Beeinflussung

von Volker Otte

Allgemeines - Zur Vegetationsgeschichte - Aktuelle Beeinflussung der Vegetation - Schutzerfordernisse - Flora - Zusammenfassung - Literatur

Allgemeines(zum Seitenanfang)

Die Vegetation des Gebietes läßt sich nach den Höhenstufen grob in folgender Weise gliedern:
  • Eichenwälder der Vorgebirge und der unteren Bergstufe; im Sachraital bis etwa auf 850 m NN
  • Buchenwaldstufe, oberhalb an die Eichenwaldstufe anschließend, bis etwa auf 1400 m NN; im oberen Bereich mit zunehmendem Anteil der Tanne ( Abies nordmanniana ) (Abb. 1)
    Abb. 1: Urwaldbestände Abb.1: Forstlich ungenutzte Urwaldbestände reichen im Tchatschgebiet bis in die Buchenstufe herab (im Bild: Urwaldpartie unterhalb der Poljana Firsowa, ca. 1400 m NN, mit Orientbuche (Fagus orientalis), Trautvetterschem Ahorn (Acer trautvetteri), Nordmannstanne (Abies Nordmanniana), Kaukasischer Hainbuche (Carpinus caucasica); Juni 1997);
    phot. V. Otte

  • Tannenwaldstufe, oberhalb der Buchenwaldstufe, bis etwa 1700 m NN
  • hochmontane bis subalpine Stufe, oberhalb derTannenstufe, an den Südhängen aus Kiefernwald (Abb. 2), nordseitig aus oft staudenreichen Beständen von Birke-Eberesche- Rhododendron caucasicum Waldgrenze bei etwa 2000 m NN (Abb.3)
    Abb. 2: Kiefernwald Abb.2: Der obere Waldgrenzbereich auf der Südwestseite des Bol.Tchatsch wird von lockeren, staudenreichen Kiefernbeständen (aus Pinus kochiana) eingenommen; September 1998,
    phot. V. Otte
    Abb. 3: Waldgrenze bei etwa 2000 m ü. NN Abb.3: Vor allem in abschüssigem Gelände haben sich auf der Nordostseite des Tchatschmassivs staudenreiche subalpine Birken - Ebereschen - Rhododendron caucasicum - Bestände gehalten; Juni 1997,
    phot. V.Otte

  • waldfreie Staudenfluren, Matten (Abb.4) und Felsfluren oberhalb 2000 m, u. a. mit „Schneetälchenvegetation“ am Boden der nordostwärts gekehrten Erosionsrinnen des Tchatschmassivs
    Abb. 4: buntblumige Matten Abb.4: Der Rücken des Tchatschmassivs trägt oberhalb 2000 m buntblumige Matten; Juni 1997,
    phot. V. Otte
Neben den prägenden Vegetationseinheiten der einzelnen Höhenstufen treten bachbegleitende Grauerlenbestände (vor allem am Bol. Sachrai), Schluchtwälder mit Bergulme und Trautvetterschem Ahorn (so im Afonkatal), Hangschuttvegetation, verschiedene anthropogene Ersatzgesellschaften (s.u.) und weitere Einheiten auf. Struktur, Zusammensetzung und standörtliche Bindung der einzelnen Pflanzengesellschaften werden bei Lavrenko & Sochava (1956) charakterisiert. Zur pflanzengeographischen Einordnung des Gebietes vgl. Meusel & Jäger (1992).


Zur Vegetationsgeschichte (zum Seitenanfang)

Die Bestände sind historisch und aktuell in unterschiedlichem Maße der anthropogenen Beeinflussung unterworfen gewesen. Bis zur Aussiedlung der adygischen Urbevölkerung im Zuge der Kaukasuskriege im 19. Jh. waren große Flächen in den Bergen des nordwestlichen Kaukasus entwaldet und von Wiesen, Weiden und Feldern bedeckt; nur entlang des Hauptkammes und an unzugänglichen Stellen hatte sich Wald gehalten. In den Vorgebirgen betrug das Verhältnis von Offenland zu Wald zur Zeit der russischen Eroberung etwa 9 : 1, während heute die umgekehrte Relation herrscht und z.B. im Gebiet zwischen den Flüssen Psekups und Belaja großräumig gleichaltrige Eichenbestände vorhanden sind, deren Entstehungszeit mit der Austreibung der Adygen zusammenfällt (Khaug 2000, Ivanov et. al. 2000).
(Abb. 5). Zwischen Belaja und Laba, wo das Tchatschgebiet mit seinen Vorländern liegt, erfolgte die Vertreibung der dort ansässigen Abadsechen im Jahre 1861 (Naurzov 1997).

Abb. 5: Tal der Belaja Abb.5: Die Vorgebirge sind von Eichenmischwäldern bedeckt, die zum großen Teil erst nach der Vertreibung der Adygen im 19. Jahrhundert entstanden sind (im Bild: Tal der Belaja bei Kamennomostski, August 1999);
phot. V. Otte

Allerdings war in den Bergregionen die Bevölkerungsdichte auch früher wohl etwas geringer als in den Vorländern (vgl. Kumykov 1996 , Karte 19) [1]. In höheren Lagen und unzugänglichen Bereichen, d. h. vor allem in der Tannenstufe fanden sich auch in der Vergangenheit im Westkaukasus ungenutzte Urwaldbestände, wie sie Radde (1899) von der Strecke Psebai-Sotschi schildert.


Aktuelle Beeinflussung der Vegetation(zum Seitenanfang)

In der jüngeren Zeit war der Umfang der Waldnutzung ebenfalls wesentlich von der Zugänglichkeit der Bestände beeinflußt: Der stärkste Aushieb erfolgte in den tieferen Lagen und entlang der Fahrwege in den Tälern. Entsprechend zeigt die Eichenwaldstufe im Untersuchungsgebiet besonders starke Nutzungsspuren. Alte Eichen sind im Sachraital oft nur in Einzelexemplaren vorhanden; weite Bereiche sind ausgehauene, vielfach niederwaldartige Bestände aus Hainbuche, Hasel, den Ahornarten (Acer campestre platanoides laetum u.a.. Bis in die Buchenwaldstufe finden sich entlang der Fahrwege derartige Niederwälder bis ca. 30 m die anliegenden Hänge hinauf, während darüber in den Tälern des Sachrai und seiner Zuflüsse oft schon alte Buchen anzutreffen sind. Demgegenüber waren auf der Strecke zwischen Tal der Mal. Laba/Urischten und Hochfläche des Mal. Bambak bis in schwer zugängliche, hoch gelegene Bereiche fast nur junge Hölzer zu beobachten und die stärksten Stämme gehörten den Wildobstbäumen an, die offenbar beim Einschlag geschont werden; eine auch im Sachraital zu beobachtende Erscheinung. Nach der Literatur wurde stellenweise versucht, durch Anlage von Forstkulturen die für wertvoll erachteten Eichenbestände zu erneuern (im Gebiet nicht beobachtet); dies ist zum großen Teil fehlgeschlagen (Alentyev 1994, Krivosheya et al. 1994).

Um die Ortschaften (Novo­pro­chlad­noe im Sachraital, Kirovskij im Tal der Mal. Laba) führt die Waldweide des Rindviehs zur Auf­lichtung der Bestände, so daß um Novoprochladnoe auf größerer Fläche typische Hudewaldbestände mit schütter stehenden Eichen, durchsetzt von Buschwerk und Offenland, anzutreffen sind. (Abb. 6)

Abb. 6: Umgebung von Novoprochlanoje Abb.6: Halboffenes, beweidetes Buschland und lockere Eichenbestände prägen die Umgebung von Novoprochlanoje (Juli 1997);
phot. V. Otte

In den oberen Lagen der Buchenwaldstufe und in der Tannenwaldstufe verliert sich im Tchatschgebiet vielfach der Einfluß der Holzgewinnung; so daß hier die unberührtesten Bestände zu finden sind; lediglich vereinzelt wurden in der Vergangenheit starke Tannen mit dem Hubschrauber herausgeholt. (Abb. 7) Von oben her erfolgten hingegen die Auflichtung des Waldes und die Herabdrückung der Waldgrenze durch die Beweidung der Bergwiesen. (Abb. 8)

Abb. 7: Kiefernwald Abb.7: Die verrottenden Tannenstämme in den Urwaldbeständen werden schnell von Moosen, Bärlappen und anderen Pflanzen besiedelt (hier vor allem Decken aus dem Moos Ptilium crista-castrensis, dazwischen Sprossender Bärlapp (Lycopodium annotinum); Afonkatal, September 1999);
phot. V. Otte
Abb. 8: Mal. Tchatsch, Südhang Abb.8: Die zur Ruhe gekommenen Schuttkegel der Südhänge werden im oberen Waldgrenzbereich von der Kiefer (Pinus kochiana) besiedelt. Die Waldgrenze ist durch Beweidung herabgedrückt (Mal. Tchatsch, Südhang, September 1999);
phot.V. Otte

So sind die Kiefern- bzw- Birken-Ebereschen-Bestände im oberen Bereich oft stark aufgelichtet bis stellenweise verschwunden oder auf abschüssige Hangpartien zurückgedrängt; stellenweise finden sich auf dem Tchatschmassiv ausgedehnte Bestände von Rhododendrum caucasicum . In den stärker betroffenen Bereichen des Waldgrenzbereiches, vor allem an den ehemaligen Viehlagerplätzen, prägen stellenweise Veratrum lobelianum, Cirsium spec., Urtica dioica, Rumexalpinus u. a. die Vegetation. Nach Einstellung der Nutzung aufkommender Birkenjungwuchs in der unteren Zone der Bergweiden des Tchatschmassivs zeugt von der künstlichen Herabdrückung der aktuellen Waldgrenze. Sowohl hier als auch auf ehemals beweideten Offenflächen tieferer Lagen (Poljana Firsowa) ist derzeit eine z.T. lebhafte Wiederbewaldung im Gange. In bereits früher aus der Nutzung genommenen Bereichen (um die jetzige Wüstung Brilewo) hat der Wald bereits wieder völlig Besitz von den Flächen ergriffen. Auf der Strecke Pol. Schestakowa – Koryto dokumentiert stellenweise reicher Tannenjungwuchs unter einer aus Kiefer bestehenden Baumschicht die hier im Gange befindliche progressive Sukzession.

Großräumig ist die Herabdrückung der Waldgrenze durch Beweidung und z. T. wohl auch durch Einschlag der Kiefern viel stärker ausgeprägt als im Tchatschgebiet. So führte der Weg vom Plateau des Mal. Bambak zu den Tchatschen über weite Strecken durch tiefreichend entwaldetes, z.T. stark erodiertes Gelände, wo einzelne oder zuweilen gruppenweise stehende wüchsige Kiefern Hinweise auf die potentielle Vegetation gaben. (Abb. 9)

Abb. 9: Blick von der Agige-Kette nach Südosten Abb.9: Außerhalb des engeren Tchatschgebietes ist durch starke Beweidung die Waldgrenze weit herabgedrückt. Gleichzeitig werden von unten her die Urwälder durch Holzeinschlag immer weiter zurückgedrängt (der Rauch in der Bildmitte entstammt den Feuern der Holzfäller); Blick von der Agige-Kette nach Südosten; September 1998,
phot. V. Otte

Auch in diesen Bereichen ist derzeit stellenweise eine lebhafte Wiederansiedlung von Gehölzjungwuchs nach Aufgabe der Beweidung zu beobachten.

Demgegenüber hat in den tieferen Lagen die Zurückdrängung der ursprünglichen Waldbestände durch Holzeinschlag zugenommen und sich immer weiter bergwärts vorgearbeitet. In den besser zugänglichen Bereichen reicht der Einschlag bis in die Tannenwaldstufe. Großräumig ist, wie wiederum im Bereich zwischen Mal. Bambak und den Tchatschen beobachtet werden konnte, die Tanne Hauptobjekt eines massiven Einschlags. Außerhalb des Tchatschgebietes hat sich die Zone unberührter Bergwälder daher vielerorts auf einen zunehmend schmaler werdenden, sich in einzelne Teile auflösenden Streifen zwischen unterer Einschlagszone und oberer Beweidungszone eingeengt.

Neben dem unmittelbaren Verlust der für viele überregional gefährdete Arten unersetzbaren Urwaldbestände (vgl. z. B. Otte 2001 ) hat die gegenwärtige Form des Bestandesabtriebs mittels schwerer Maschinen auch sehr ungünstige Auswirkungen auf den Boden. Die angestrebte Umsetzung bestehender Konzepte zu schonenderer Waldnutzung scheitert in den Forstbetrieben derzeit an den ökonomischen Realitäten (Krivosheya et al. 1994). So kann überall in den der Abholzung anheimgefallenen Bereichen eine massive Bodenerosion beobachtet werden, die nach stärkeren Regenfällen zu unübersehbaren Schweb­stoff­frachten im Sachrai führt. Die Dimension des Bodenabtrags erreicht in dem niederschlagsreichen Klima bedeutende Ausmaße (vgl. a. a. O); die oft steil bergwärts geführten Holzabfuhrwege sind mitunter bis auf den festen Gesteinsuntergrund, d.h. mehrere Dezimeter tief ausgewaschen. (Abb. 10) Dennoch bleibt infolge selektiven Aushiebs auf den Abtriebsflächen i. allg. genügend Jungholz aus dem vorherigen Bestande stehen, so daß die Existenz des Waldes als solcher meist nicht infrage steht. Allerdings ändern sich Struktur und Zusammensetzung zugunsten von Pionierarten und hiebresistenten Gehölzen.

Abb. 10: Tal der Kune Abb.10: Die Bodenerosion auf den oft steil bergwärts geführten, von schweren Kettenfahrzeugen befahrenen Holzabfuhrwegen ist beträchtlich (Tal der Kuna, Juli 1997);
phot. V. Otte


Schutzerfordernisse(zum Seitenanfang)

Ziel des Schutzes der Waldvegetation im Gebiet sollte es sein, die hier noch vergleichsweise großflächig entwickelten und bis in die Buchenstufe herabreichenden Urwaldbestände zumindest beispielhaft zu erhalten, da diese bereits großräumig verschwunden sind oder derzeit abgetrieben werden. Während im Bereich der Tannenstufe und oberhalb davon vielerorts durch das Karstrelief natürliche Schwierigkeiten der Nutzung entgegenstehen, erfordert dies im Bereich der Buchenstufe bewußte Zurückhaltung beim Einschlag. (Abb. 11) An steilen Hängen verbietet sich massiver Abtrieb schon aus Gründen des Erosionsschutzes.

Abb. 11: NaturparkTchatsch
Abb.11a:
phot. V. Otte
Abb.11b:
phot. J.Fürstenow, Juli 2001

Infolge der Bemühungen einheimischer und ausländischer Naturschützer ist der adygejische Teil des Tchatschgebietes als „Naturpark“ausgewiesen worden. Es steht zu hoffen, daß hierdurch wenigstens ein Teil der Urwälder auch in der Buchenwaldstufe erhalten werden kann; Tal des Bol. Sachrai, August 1999; Abb. 11a, 11b

Abb. 12: Poljana Firsowa, ca. 1400 m ü. NN Abb.12: Artenreich sind die langjährig als Wiesen bzw. Weideflächen genutzten Offenlandbereiche auf Reliefverebnungen der Bergwaldstufe. Durch Nutzungsaufgabe sind sie aktuell vom Zuwachsen bedroht (Poljana Firsowa, ca. 1400 m ü. NN, Juni 1997);
phot. V. Otte

Die Nutzung des Gebietes durch den Menschen hat sich aber auch positiv ausgewirkt durch Erhöhung der Vielfalt der Vegetationsformen. Die im Bereich der Bergwaldstufe vor allem auf Reliefverebnungen anzutreffenden Offenflächen mit artenreicher Krautvegetation (z.B. Poljana Firsowa, Abb. 12) sind gewiß ein Kulturprodukt (Weide-oder Wiesenwirtschaft). Da geeignete Reliefstrukturen im Gebiet relativ selten sind, liegt die Vermutung nahe, daß die Bergweiden und -wiesen der Adygen auf den gleichen Flächen lagen, der Artenreichtum der Poljanen also ein Zeugnis eines evtl. sehr hohen Alters mit ± kontinuierlicher Bewirtschaftung ist. Infolge Nutzungsaufgabe ist derzeit das Zuwachsen dieser Flächen zu beobachten, das im Falle der Pol. Firsowa vom Rande her sehr rasch durch aufkommende Espen-Wurzelbrut erfolgt. Für den Schutz der Poljanen ist daher die weitere Nutzung unabdingbar. Ebenso führt die Waldweide um die Ortschaften (Novoprochladnoje) zu artenreichen, halboffenen Vegetationsformen, wie sie in Mitteleuropa vielfach als hochprioritäre Schutzobjekte angesehen werden. Im Untersuchungsgebiet erfordert der Schutz dieser Vegetation vorerst keine besonderen Maßnahmen, solange die sie bedingende Nutzung anhält.


Flora(zum Seitenanfang)

Floristisch ist das Gebiet durch eine hohe Artenvielfalt ausgezeichnet. Die bisher nachgewiesenen knapp 400 Gefäßpflanzenarten (vgl. Hoffmann 1996, Schmid 1997, Ahrns 1999 , Herb. Otte; siehe auch Kummer 2001 ) sind erst ein Teil des vorhandenen Bestandes; ganze ökologische (z. B. Frühjahrsgeophyten) und auch taxonomische Gruppen (z. B. gerade artenreiche Familien wie Apiaceae, Asteraceae) sind erst sehr unzureichend erfaßt. Dieser Reichtum gründet sich im wesentlichen auf die gleichen Faktoren wie im Kap. „Moose und Flechten“ (Otte 2001) ausgeführt, aber mit z. T. anderer Gewichtung: Anders als bei den Kryptogamen spielt das Vorkommenen kaukasischer Endemiten eine große Rolle für die hohe Artenzahl des Gebietes. (Abb. 13) Die Erhöhung der Vielfalt der Vegetationsformen durch anthropogene Einflüsse (s. o.) wirkt sich ebenfalls stark positiv auf die Artenvielfalt aus durch Schaffung von Existenzbedingungen für Arten des Offenlandes, wie z. B. der Wiesen und Weiden. (Abb. 14)

Abb. 13: Gelber Frühlingsenzian Abb.13: Der Gelbe Frühlingsenzian (Gentiana oschtenica) ist ein kaukasischer Endemit. Seinen Namen trägt er nach dem nahe dem Tchatschgebiet gelegenen Berge Oschten; Juni 1997, Bolschoi Tchatsch;
phot. V. Otte
Abb. 14: Ortsflur von Novoprochladnoje Abb.14: artenreiches, beweidetes Offenland in der Ortsflur von Novoprochladnoje (September 1999);
phot. V. Otte

Bestandteil der phanerogamischen Biodiversität des Gebietes sind auch gefährdete und geschützte Arten. Es wurden bisher die folgenden Gefäßpflanzen der Roten Bücher im Untersuchungsgebiet nachgewiesen:
  • Atropa bella-donna: Krasnaya Kniga SSSR (1985), Krasnaya KnigaRespubliki Adygeya (1997), Krasnaya Kniga Krasnodarskogo kraya (1994)
  • Berberis vulgaris: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997)
  • Cephalanthera rubra: Krasnaya Kniga SSSR (1985), Krasnaya KnigaRespubliki Adygeya (1997), Krasnaya Kniga Krasnodarskogo kraya (1994)
  • Cyclamen coum: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997), Krasnaya Kniga Krasnodarskogo kraya (1994)
  • Cystopteris montana: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997)
  • Daphne circassica: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997), Krasnaya Kniga Krasnodarskogo kraya (1994)
  • Epipogium aphyllum: Krasnaya Kniga SSSR (1985), Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997), Krasnaya Kniga Krasnodarskogo kraya (1994)
  • Gymnocarpium robertianum: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997)
  • Ilex colchica: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997)
  • Muscari coeruleum: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997), Krasnaya Kniga Krasnodarskogo kraya (1994)
  • Osmunda regalis: Krasnaya Kniga SSSR (1985), Krasnaya Kniga Krasnodarskogo kraya (1994)
  • Pinguicula vulgaris: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997)
  • Polystichum lonchitis: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997)
  • Taxus baccata: Krasnaya Kniga SSSR (1985), Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997), Krasnaya Kniga Krasnodarskogo kraya (1994)
  • Ulmus glabra: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997)
  • Ulmus laevis: Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997)
Besondere Gefährdungen und Schutzerfordernisse zeichnen sich in den meisten Fällen nicht ab, wurden aber auch bisher nicht gezielt erforscht. Für die Erhaltung von Ilex colchica ist vermutlich die Erhaltung der von ihm bewohnten Buchenwälder wichtig. Die Art scheint in Ciskaukasien sehr selten zu sein (vgl. Grossheim 1962, Karte 125). Ulmus glabra ist auch in abgelegenen Urwaldbereichen (Afonkatal) z. Z. stark vom Ulmensterben betroffen.


Zusammenfassung(zum Seitenanfang)

Das Untersuchungsgebiet ist durch eine vielfältige Vegetation und Flora in verschiedenen Höhenstufen ausgezeichnet. Hierzu zählen unberührte Urwaldbestände bis herab in die Buchenwaldstufe und Pflanzenarten der Roten Bücher. Besonderes Augenmerk erfordert die Erhaltung der Urwälder vor allem der tieferen Lagen, da diese aufgrund historischer Faktoren (weitgehende Entwaldung des NW-Kaukasus bis vor 140 Jahren) und der aktuellen forstlichen Nutzung der kaukasischen Wälder großräumig eine Besonderheit darstellen. Wichtig erscheint es auch, Auswege aus dem gegenwärtigen Zuwachsen evtl. ebenfalls jahrhundertealter, artenreicher Offenlandbereiche in der Bergwaldstufe zu finden, das gegenwärtig aus der Aufgabe der Bewirtschaftung resultiert.


Literatur(zum Seitenanfang)

Ahrns, Ch.(1999): Kurzbeitrag zur Flora des nordwestlichsten Kaukasus. Schlechtendalia 2: 61-69.

Alentyev P. N. (1994): Problemy vosstananovleniya dubrav Adygei. In: Nauka – Adygee. Materialy nauchno-prakticheskoy konferentsii uchenykh Adygei (14-16 aprelya 1993g). Maykop: 141-145.

Grossheim A. A. (1962): Flora Kavkaza. Tom VI. 2. Aufl. Moskva, Leningrad, 424 S.

Hoffmann, Ch. (1996): Floristische und vegetationskundliche Untersuchungen im Gebiet um den Bolschoi Tchatsch. Mskr., Umwelt & Bildung e. V.

Ivanov, A. N., Bochkarev, Yu. N., Kozlov, D. N. & Khaug, A. A. (2000): Osnovnye cherty prirody poluostrova Abrau. – In: Ivanov, A. N., Leontyeva, O. A. & Suslova, E. G. (red.): Priroda Poluostrova Abrau. Landschafty, Rastitel’nost’ i Zhivotnoye Naselenie. Sbornik Nauchnykh Trudov. Ed.: Moskovskiy Gosudarstvennyy Universitet im. M. V. Lomonosova. Geograficheskiy Fakul’tet.: 4-14.

Khaug, A. A. (2000): K izucheniyu flory i rastitel’nosti poluostrova Abrau.– In: In: Ivanov, A. N., Leontyeva, O. A. & Suslova, E. G. (red.): Priroda Poluostrova Abrau. Landschafty, Rastitel’nost’ i Zhivotnoye Naselenie. Sbornik Nauchnykh Trudov. Ed.: Moskovskiy Gosudarstvennyy Universitet im. M. V. Lomonosova. Geograficheskiy Fakul’tet.: 43-53.

Krasnaya Kniga Krasnodarskogo kraya (1994). Krasnodar, 285 S.

Krasnaya Kniga Respubliki Adygeya (1997). Maykop, 20 S.

Krasnaya Kniga SSSR (1985). Bd. II. 2. Aufl. Moskva.

Krivosheya, A. N., Belenko, G. T., Goydenko, A. A. & Kalinina, A. V. (1994): Problemy lesopol’zovaniya i losovosstanovleniya v lesakh severnogo Kavkaza i Adygei. – In: Nauka – Adygee. Materialy nauchno-prakticheskoy konferentsii uchenykh Adygei (14-16 aprelya 1993g). Maykop: 146-151.

Kummer, V. (2001): Funde phytoparasitischer Pilze auf der Exkursion vom 29. 8. - 19. 9. 98 in das Gebiet des Gr. Tchatsch, ergänzt durch wenige Funde aus Maikop. In: Kirschey, T., May, A., Otte, V. & Tietz, O. [Hg.]: ... Nabu-Conservation-News 1:

Kumykov, E. T. (1996): Istoriya Adygov v Kartakh s drevneyshikh vremen do serediny XIX veka. Nal’chik.

Lavrenko, E. M. & Sochava, V. B. [red.] (1956): Rastitel’nyy pokrov SSSR. Poyasnitel’nyy tekst k „Geobotanicheskoy karte SSSR“ m. 1 : 4 000 000. – 1.,2. Moskva, Leningrad, 971 S.

Meusel, H. & Jäger, E. J. [Hg.] (1992): Vergleichende Chorologie der zentraleuropäischen Flora. Teil 3., 2 Bde. Jena/Stuttgart/New York.

Naurzov, B. B. (1997): Istoriya Kavkazkoy voyny. Maykop, 26 S.

Otte, V. (2001): Flechten und Moose. – In: Kirschey, T., May, A., Otte, V. & Tietz, O. [Hg.]: ... Nabu-Conservation-News 1:

Radde, G. (1899): Grundzüge der Pflanzenverbreitung in den Kaukasusländern von der unteren Wolga über den Manytsch-Scheider bis zur Scheitelfläche Hocharmeniens. Leipzig, 500 S.

Schmid, D. (1997): Botanische Betrachtungen während der Exkursion zum Bol’soj Tchac/Nordkaukasus 14. Juni - 15. Juli 1997. Mskr.,Umwelt & Bildung e. V.



Anschrift des Verfassers:
Dr. Volker Otte
Staatliches Museum für Naturkunde
PF 300 154
02806 Görlitz
Email: Volker.Otte@smng.smwk.sachsen.de

[1] Die in dieser Karte des russischen Generalstabs vom Jahre 1833 eingetragenen Bevölkerungszahlen sind allerdings insgesamt zu niedrig angesetzt, vgl. Naurzov (1997).

Zitiervorschlag: Otte, V. (2001): [Kaukasus, Gebiet des Bolschoi Tchatsch:]
Zur Phanerogamenvegetation und -flora und Aspekten ihrer anthropogenen Beeinflussung.